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01 September 2011

Geheime Basteleien aus Styropor



Prototypen – Der Auto-Designer Werner Strathaus von „Technicon Design“ feilt mit Computer, Knete und Styropor am Aussehen der Opel-Autos von morgen – Das Unternehmen arbeitet im Autowerk an streng vertraulichen Projekten

Es riecht noch nach Auto. Und es wird auch weiter nach Auto riechen. Das Opel-Altwerk wandelt sich zum „Autowerk“. In einer Serie schaut das ECHO hinter die rote Backsteinfassade.

Werner Strathaus ist einer dieser Menschen, an denen Journalisten verzweifeln können. Denn wenn der 47 Jahre alte Industriedesigner von seiner Arbeit spricht, fällt ein entscheidendes Wort viel zu oft: geheim. Jammerschade nicht nur für die schreibende  Zunft, denn Strathaus weiß schon jetzt, wie der Opel von morgen aussehen wird.

Zumindest zum Teil, denn der Weltkonzern kauft für sein Karosseriedesign nicht nur das Know-how von „Technicon Design“ ein, dessen Rüsselsheimer Standort Strathaus leitet. „Aber im Grunde haben wir an allen aktuellen Opel-Fahrzeugen mitgearbeitet.“ Prinzipiell könnte das Unternehmen, Tochter des britischen Personaldienstleisters „IMS“, die komplette optische Gestaltung von Karosserie  und Interieur übernehmen.

Wie das geht, zeigt Strathaus dem Besucher gerne. Denn viel zu sehen gibt es derzeit ohnehin nicht, was die automobile Konkurrenz interessieren dürfte: Im Erdgeschoss  des  Altwerk-Baus „C13“, einem der vielen seit dem Ende der Opel-Produktion unbe- rührten Werkshallen, ziehen Maurer gerade mehrere Wände hoch.

„Hier kommt unsere Fräsmaschine hin“, sagt der rothaarige Designer und deutet auf den Be- tonboden, der einmal in einem abgeschlossenen Raum in einer Ecke der Halle liegen wird.

Große Modelle aus Styropor gefräst
Hier sollen Entwürfe für Innen- und Außenflächen von Autos im Format 1:1 aus Styropor gefertigt werden. Dazu, erklärt Strathaus, wanderten die ersten Entwürfe vom Zeichenbrett in den Computer, wo sie mittels „CAD“ (computer-aided-design) als dreidimensionaler Entwurf gespeichert   werden.  „Aber   im Maßstab 1:1 hat man immer einen ganz anderen Blick auf das Auto.“ Deshalb zaubern die Designer mittels Fräsmaschine aus den PC-Daten ein großes Modell. „Doch dann geht die eigentlich Arbeit erst los“, sagt Strat- haus. Das Modell geht künftig an ein betriebseigenes „Clay-Modelling-Studio“, das derzeit neben den Technicon-Büros im Gebäude C14 entsteht.

Dort wird von Hand weiterge- arbeitet: Sorgsam modellieren die Experten dann mittels der Knetmasse Industrieplastellin und speziellen Schabern und Ziehklingen weiter. Ist  das gewünschte Ergebnis dieses „Clay Modelling“ erreicht, wird das Modell gescannt, und die Daten landen erneut im Computer. Das geht dann so lange weiter, bis irgendwann ein kompletter Prototyp samt CAD-Daten an Opel übergeben wird.  „Wenn  wir schnell sind, dauert es von der Idee bis zum fertigen Modell sechs bis acht Monate“, schätzt Strathaus.

Gedanken an Expansion
Für den Studioleiter gab es mehr als nur einen Anreiz, vom Hoch- haus in der Darmstädter  Straße 59 in das „Autowerk“ umzuziehen: „Wichtig ist uns die Nähe zum Kunden und auch das Potenzial, uns auszudehnen.“ Ein wichtiger Faktor in der Welt der automobilen Dienstleister, die mit der Marktlage wachsen und schrumpfen: Eigentlich rechnet Strathaus mit zwölf bis 14 festen Mitarbeitern. Wenn es gut laufe, könnten es aber auch doppelt so viele werden.

Auch  die  Entscheidung  zu den aktuellen Erweiterungen sei aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs recht kurzfristig Anfang des Jahres gefallen, erin- nert er sich.

Und einen weiteren Vorteil gibt es: „Im Autowerk können wir  die Modellbauer und die CAD-Designer räumlich trennen“, sagt Strathaus. Denn wenn einer am PC am Design für Auto A feile, müsse er nicht zwingend das Styropor-Modell von Auto B zu Gesicht bekommen.

Denn solche Entwürfe aus der frühen Entwicklungsphase sind  hochsensible  Daten. Strathaus, der einst sein Handwerk an der Hochschule Darmstadt lernte und später für ein Münchener Designbüro  unter  anderem an der Optik des ICE 3 feilte, bildet heute in Rüsselsheim selbst Fachkräfte aus: Die „Technicon Academy“ qualifiziert Absolventen binnen eines vierwöchigen Kurses in Sachen Computerdesign weiter,  bald soll  das auch für„Clay Modelling“ möglich sein.

Futuristisches Modellauto
Dem Nachwuchs ist es dann auch zu verdanken, dass Strat- haus beim Hausbesuch dann doch etwas Handfestes vorzei- gen kann, das nicht der Geheim- haltung unterliegt: Im Schulungsraum steht ein futuristisches, weißes Modellauto aus Plastik im Maßstab 1:4.

Pechschwarze Scheiben, gewagte Rundungen – spannend. Leider wird man das Gefährt wohl so schnell nicht auf deutschen Straßen sehen: Es handelt sich um die Abschlussarbeit eines Design-Studenten.


RÜSSELSHEIMER ECHO
DIENSTAG, 23. AUGUST 2011

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